Die Toten

Unser Kursvorhaben ist es unter anderem, die Geschichten der sowjetischen Zwangsarbeiter
aufzudecken. Die bisher zusammengetragenen Informationen über die Zwangsarbeiter haben
wir größtenteils aus dem Archiv des Roten Kreuzes in Bad Arolsen, hierbei mit der Hilfe des Bundes
Deutsche Kriegsgräberfürsorge, aber auch aus Unterlagen des Bochumer Friedhofsamtes bezogen. Es gibt
einige Unstimmigkeiten: In einer Liste sind 312 und in der anderen Liste 307 Verstorbene
verzeichnet. Wir beziehen uns bei unserer Arbeit ausschließlich auf 307 verstorbene Zwangsarbeiter
auf dem Gräberfeld des Blumenfriedhofes.

Auf dem Gräberfeld wurden 274 Männer (89%) und 33 Frauen (11%) beerdigt. Wahrscheinlich waren die
meisten der Toten Industriearbeiter oder im Bergbau tätig, da die Männer vorwiegend für schwere
körperliche Arbeit eingesetzt wurden. Dies zeigt, dass das Gräberfeld, über das wir mehr erfahren
wollen, wohl eine Ausnahme darstellt. Denn insgesamt haben Frauen ca. die Hälfte der sowjetischen
Zwangsarbeiter ausgemacht.

Bei der Betrachtung der Geburtsjahrgänge der Zwangsarbeiter kann man erkennen, dass es sehr wenige
alte Menschen gab. Sehr viele waren zwischen 1921 und 1930 geboren worden. Ein großer Teil der
Arbeiter war also sehr jung.

 

 

Das spiegelt sich auch in der Altersstatistik wieder: 41%, 124 Menschen, waren zwischen 14 und 20
Jahre alt, als sie starben. Auch gab es sehr viele 21- bis 30-jährige. Die noch älteren Verstorbenen
machen nur rund 14 der Gesamtzahl aus.

 

Es fällt auf, dass die Zahl der Toten in den Jahren 1942 – 1944 stetig anstieg, von 55 auf 148 Tote
in einem Jahr. Mögliche Gründe könnten zum Beispiel die Verschlechterung der Arbeits- und
Lebensbedingungen sein. Möglich ist auch, dass den Arbeitern zum Ende des Krieges hin mehr
abverlangt wurde, um die Produktion noch weiter anzukurbeln, da Deutschland den Krieg zu verlieren
drohte. Wir werden versuchen, in unserer weiteren Arbeit mehr herauszufinden.

Zudem kann man erkennen, dass in den Monaten Juni, Juli, August, September und Oktober die meisten
Menschen verstarben (z.B. 30 im September und 41 im August). In den Wintermonaten ist das
überraschenderweise nicht der Fall. Hier wäre vielleicht eher zu erwarten gewesen, dass mehr
Zwangsarbeiter aufgrund der schlechten Versorgung und der Kälte im Winter sterben. Wir werden
versuchen, auch diesem Thema nachzugehen.

Archivmaterial der Stadt Bochum, Presseamt – Abbildung nur mit Namensnennung
Weitere Infos unter : Bildtechnik@bochum.de
Archivmaterial der Stadt Bochum, Presseamt – Abbildung nur mit Namensnennung
Weitere Infos unter : Bildtechnik@bochum.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei Betrachtung von zwei Fotos, die Frauenlager in der Essener Straße und in der Alleestraße zeigen,
sieht es zunächst nicht nach menschenunwürdigen Umständen aus. Aber Zweifel, ob es in normalen
Lagern so ausgesehen haben mag, sind durchaus angebracht: Einige Zeitzeugenberichte (Briefe von
überlebenden Zwangsarbeitern) deuten auf andere Verhältnisse hin. Die Frauen sitzen auf den Fotos in
einem Gemeinschaftsraum und wirken nicht unglücklich. Wir können uns vorstellen, dass diese
Aufnahmen zu Werbezwecken genutzt wurden. Die Bilder könnten also gestellt sein. Auf jeden Fall
müssen wir versuchen herauszufinden, unter welchen Umständen die Fotos entstanden sind, denn sie
stehen im Widerspruch zu den Briefen.