Situation des Gräberfelds

Gesetz zur Erhaltung von Kriegsgräbern
In Deutschland existiert ein „Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und
Gewaltherrschaft“. Die letzte Fassung dieses Gesetzes stammt aus dem Jahr 1993. Hier wird unter § 1
festgelegt, welche Gräber in diese Kategorie gehören, nämlich auch „Gräber von Personen, die in der
Zeit vom 1. September 1939 bis 8. Mai 1945 zur Leistung von Arbeiten in das Gebiet des Deutschen
Reichs verschleppt oder in diesem Gebiet gegen ihren Willen festgehalten worden waren und während
dieser Zeit gestorben sind“.

Für diese Gräber gilt erstens, dass sie ohne zeitliche Begrenzung, bestehen bleiben. (§ 2.1) und
zweitens: „Die Länder haben die in ihrem Gebiet liegenden Gräber zu erhalten. Maßnahmen zur
Erhaltung sind Anlegung, Instandsetzung und Pflege.“ (§ 5.3) Dieses Gesetz wird offensichtlich nicht
eingehalten.

Das Gräberfeld
Das Gräberfeld befindet sich auf dem Blumenfriedhof, nahe der Hildegardis-Schule Bochum. Es befinden
sich, den uns bekannten Angaben nach, dort 307 sowjetische Zwangsarbeiter, die zwischen 1942 und
1944 dort begraben wurden. Ihre Geschichte wurde von den meisten Leuten vergessen, und genauso sieht
auch das Gräberfeld aus. Das Gräberfeld, um das es geht, ist ungefähr 600 m² groß und wird von
einer niedrigen Steinmauer umrahmt und ist dadurch sichtbar von den anderen Gräbern abgegrenzt. Im
Grunde liegt es damit fast außerhalb des Friedhofs. Die Steinmauer ist an einer Seite zerstört und
bröckelt ab.
Im Gegensatz zu dem Zwangsarbeitergräberfeld auf dem Bochumer Hauptfriedhof, auf dem
ein Buch aus Metall aufgestellt wurde, in das die Namen aller dort begrabenen Zwangsarbeiter
eingraviert sind, ist das Feld auf dem Blumenfriedhof sehr ungepflegt und unscheinbar. Es findet
sich außerdem auf dem ganzen Friedhof kein Hinweis auf die Toten.

Das viel größere Feld der Zwangsarbeiter auf dem Hauptfriedhof war übrigens bis 1985 auch ganz
verwildert und ungepflegt – und erst eine Gruppe von Bochumer Bürgerinnen, nämlich die „Frauen für
den Frieden“, sorgte dafür, dass sich das geändert hat. 2017 sah das Gräberfeld dort aber wieder so
traurig und verwahrlost aus, dass sich Mitglieder vom Bochumer Kinder- und Jugendverein um das
Gräberfeld zu kümmern beschlossen und es wieder herrichteten.

Wir beschlossen es ihnen gleich zu tun.

Wir waren uns einig, etwas auf dem Gräberfeld ändern zu müssen. Daher pflanzten wir, als ersten Schritt in Richtung Verbesserung, am 17.November 2017 einen Zierapfelbaum in der Mitte des Areals. Durch Unterstützung von Seiten des Friedhofs gelang es uns, den Baum innerhalb kürzester Zeit in das bereits ausgehobene Erdloch einzupflanzen.

Am Morgen des 19. November fand der von uns ausgerichtete Volkstrauertag statt, in dessen Rahmen wir unter anderem 307 Grablichter (für jeden Zwangsarbeiter eines) auf dem Gräberfeld aufgestellt haben. Zuvor hatten wir die Möglichkeit, unser Projekt in der Aula der Hildegardis-Schule an die Öffentlichkeit zu bringen. Wir stießen unter den zahlreichen Besuchern auf großen Zuspruch.
Musikalisch begleitet wurde der Volkstrauertag von Elsa Heebner, die ein russisches Lied auf ihrem Akkordeon gespielt hat, außerdem spielten Vinícius Rosso sowie vier Musiker/innen des Schulorchesters des Hildegardis-Gymnasiums.

Des Weiteren hatten wir die Idee, unser Gräberfeld zu verschönern und auf einem der Abschnitte Wildblumen zu pflanzen. Diese Blumen säten wir dann am 2.Mai 2018 aus.
Leider mussten wir später feststellen, dass die Pflanzen aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit nicht gewachsen waren. Lediglich einige wenige überlebten…
In Kooperation mit der TBS (Technische Berufsschule) Bochum konnten wir ein weiteres Projekt planen, welches wir im kommenden Schuljahr realisieren möchten. Dieses Projekt umfasst beispielsweise das Aufstellen einer Gedenktafel auf dem Gräberfeld, auf der alle 307 Namen der dort liegenden Zwangsarbeiter verzeichnet werden sollen.